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Die Aufgaben des Staates in einer sozialen
Marktwirtschaft
Begreift man den Staat als die Summe der in ihm lebenden Individuen,
wird sehr schnell klar, worin das eigentliche Kernproblem begründet
liegt: Die Vielfalt der in unserer Zeit wirkenden Kräfte zwingt
zur Spezialisierung jedes Einzelnen auf sein entsprechendes Fachgebiet
- der Wettbewerb um die Spitzenplätze in Berufen und Institutionen
tut ein übriges.
Vernachlässigt wird mehr und mehr alles, was nicht unmittelbar
mit der eigenen Familie, dem eigenen Betrieb und der eigenen Situation
verbunden ist. Dieses speziell in den hoch entwickelten Industriestaaten
besonders stark wirkende Symptom grenzt das Blickfeld ein. Ein systemanaloges
Gesamtdenken geht immer mehr zurück. Nur dadurch ist es
kleinen Gruppen möglich, große Mehrheiten zu beherrschen
und zu regieren. Ihre eigentliche Inkompetenz und bedenkenlos egoistischen
Ziele werden von der Masse nicht durchschaut und vom Rest nicht
beachtet.
Eine schweigende Mehrheit verschließt Mund, Augen und Ohren
vor den Problemen, die nicht unmittelbar vor ihrer "Haustür"
liegen. Über die steigenden Kriminalität erregen wir uns
erst, wenn Familienmitglieder betroffen sind, die eigene Wohnung
geplündert und der eigene Körper verletzt werden. Der
Hunger in der Welt interessiert uns seit 30 Jahren nicht sonderlich
- in Deutschland verhungert ja keiner mehr. Gewalt und Anarchie
lassen uns allenfalls vor dem Fernsehapparat erschauern - das ist
ungefährlicher, als vor Ort in Frankfurt, Berlin, Hamburg,
Brokdorf oder Wackersdorf. Banküberfälle interessieren
den Bankkunden überhaupt nicht - er ist ja versichert.
Diese ständig abnehmende Bereitschaft, politisch Verantwortung
zu übernehmen, erlaubt es Randgruppen, eigenen Frust und eigene
Ängste auf Kosten der Gesamtheit auszuleben. Haben Sie dann
genügend Publicity errungen, gelingt Ihnen sogar der Sprung
in die Medien. Sie werden telegen. Verlagen winken Auflagen.
Wenn in der Folge Einzelprobleme erörtert werden, so geschieht
dies immer unter Hinweis darauf, daß die Summe der Einzelprobleme
als Gesamtproblem erkannt werden muß und nur als solches auch
zu lösen ist.
Generell muß das Bewußtsein dafür wachsen, daß
der Staat wieder auf das reduziert werden muß, was eigentlich
seine Aufgabe ist - dort, und nur dort, einzugreifen, wo dies unumgänglich
ist. Billigen Stimmenfang zu betreiben, indem man überall "hoheitsrechtlich"
die Finger drin hat, jeder noch so kleinen Einzelgruppe meint, noch
mehr (nach-)geben zu müssen, ohne wirtschaftliches Kostendenken
und ohne Bewußt-machung der Konsequenzen, ist verantwortungslos,
muß aufgezeigt und von allen Mitbürgern als in ihrer
eigenen Verantwortlichkeit befindlich verstanden werden. Unter einem
"sozialen" Mäntelchen der Gesamtheit der Bürger
immer mehr trojanische Pferde in den Garten zu stellen, ist politisch
korrupt und höchst unsozial.
Diese politische "Bauernfängerei"
ist jedoch nur dadurch möglich, daß es in der Natur des
Menschen liegt, angebotene Annehmlichkeiten dankbar anzunehmen,
ohne sich darum zu kümmern, wer diese bezahlt. Wir alle sind
aufgerufen, der pseudo-sozialen Rattenfängerei nicht mehr blind
zu folgen, sondern angebotene Wahlgeschenke auch mit der Frage zu
verbinden: Wer kommt denn dafür auf?
Diese Verantwortung beginnt damit, sich
mit den nachstehend aufgeführten "Kernproblemen"
aktiv und kritisch auseinanderzusetzen!
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