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EINLEITUNG
Tägliche Meldungen in allen Medien wiederholen es: Die öffentlichen
Schulden steigen, der Sozialstaat muß abgebaut werden, bis
Ende des Jahrzehnts stehen weitere 1,5 Millionen Arbeitsplätze
auf der Kippe - ohne absehbaren Ersatz. Die schleichende Verelendung,
das Heer der Arbeitslosen, Sozialhilfeempfänger und Obdachlosen
steigen ebenso wie Rauschgift- und Alkoholkonsum, Kriminalitäts-rate
(speziell unter Jugendlichen), während gleichzeitig die Realeinkommen
sinken.
Jeder Politiker versucht, sich mit (teilweise widersprechenden)
Aufrufen und "Lösungsvorschlägen" ins Rampenlicht
der Öffentlichkeit zu drängeln. Populismus und dilettantische
Marktschreierei verunsichern die wenigen, die tatsächlich noch
am öffentlichen Disput teilnehmen wollen, vollends. Die (weit
überwiegende) schweigende Mehrheit hat sich gedanklich längst
verabschiedet. Man hofft und wartet, fürchtet um persönliche
Einbußen, jammert am Stammtisch - das war's aber auch.
Wer glaubt, der "normale" (?) Bundesbürger sähe
teilnahms- und interesselos den sich abzeichnenden und vielfach
bedrohlichen Veränderungen zu, verkennt die Situation; das
überwiegende Gros der Bevölkerung sieht sich schlicht
außerstande, die Zusammenhänge zu begreifen, um die es
tatsächlich geht.
Kein Trost ist, daß dieses Wissen auch nahezu allen Politikern
fehlt, die sich gleichwohl lautstark äußern. Aus den
ihnen von eilfertigen Staatssekretären zugeschobenen Statistiken
und vorgefertigten Erklärungen, die zumeist wie das berühmte
"Pfeifen eines Kindes im Walde" anmuten, mag niemand wirkliche
Kompetenz ableiten.
Gerade das Wissen um die Interdependenzen zwischen Steuer-,
Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik - also das Fehlen eines
holistischen Gesamtbildes - läßt Tausende von
jährlich erlassenen Gesetzen, Ergänzungen, Verordnungen
und Durchführungsbestim-mungen zu einer immer groteskeren Flickschusterei
werden - nach dem Prinzip des "gestopften Sockens"; ein
an einer Stelle geschlossenes Loch erhöht die Spannung an anderer
Stelle.
Dabei sind die Zusammenhänge gar nicht so schwierig:
1. Ein machtversessener Staatsapparat (auf Bundes-, Länder-
und Gemeindeebene) fordert immer mehr Bereiche des öffentlichen
Lebens als "hoheitliche Aufgaben" ein.
2. Dazu wird Personal eingestellt, werden Ämter und Behörden
eingerichtet (was für viele Langzeit-Beamte neue Karrierechancen
eröffnet). Diese Beamten verwalten fremdes Geld - ohne
Risiko und persönliches Obligo. Sie stehen - als Monopol
- ohne
Konkurrenz da, entmündigen die von ihr abhängige Bevölkerung
immer mehr (bei konkurrenzlos minderwertiger Dienstleistung).
Die indiskutable Produktivität von Ämtern und Behörden
liegt - unbestritten - deutlich unter dem Schnitt der Privatwirtschaft.
Mit diesem Personal werden Langzeitverpflichtungen eingegangen
(Beamte zahlen keine Sozialabgaben) und Pensions- wie Versorgungsansprüche
aufgebaut, um die sich heute jedoch niemand Gedanken macht.
3. Aus politischer Opportunität werden in günstigen
Jahren erwirtschaftete Überschüsse nicht - wie in der
Privatwirtschaft üblich - als Reserven aufgebaut und zur
Steigerung der Produktivität eingesetzt, vielmehr ködert
man durch "Sozialleistungen" weitere Stimmen. Diese
Vergünstigungen werden allseits gerne genommen, als bequem
empfunden und als "Fortschritt" und Gewinn an "Lebensqualität"
betrachtet.
4. Daß mit immer höheren Sozialleistungen und Renten,
sinkenden Arbeitszeiten, Lohn- und Gehaltszuwächsen (auch
bei niedriger Inflationsrate), 13. bis sogar 15. Monats-gehältern,
Urlaubs- und Weihnachtsgeldern, unzähligen Förder- und
Prämiengesetzen etc. die Lohnnebenkosten unaufhaltsam anschwellen,
obwohl die Steigerung der Produktivität damit auch nicht
annähernd Schritt halten kann, kommt den Begünstig-ten
gar nicht in den Sinn. Die Verwalter des staatlichen "Füllhorns"
vergeben freigie-big und bedenken- wie verantwortungslos.
5. Leider fehlen derart in Boom-Zeiten ("Brot und Spiele
für das Wahlvolk") staatlicher-seits vergeudete Überschüsse
dann in Krisenzeiten. Hier behelfen sich - denken Sie an beide
Ölkrisen, die Zahlungen in gähnend leere "Krisentöpfe"
(IWF, UNO und Dutzende anderer Organisationen) - die jeweils an
der Macht befindlichen Regierun-gen flugs damit, daß sie
Steuern, Sozialabgaben und öff.-rechtl. Gebühren erhöhen.
Das jeweils einsetzende pharisäerhafte Protestgeschrei der
Opposition ist relativ leicht zu entkräften; zum einen verweist
man auf ein identisches Vorgehen in den Bundes-ländern, in
denen die Opposition die Regierung stellt, um die es um keinen
Deut besser bestellt ist, zum anderen darf man darauf vertrauen,
daß "Lieschen Müller" durch einige geschickte
Gegenargumente völlig verwirrt und damit politisch hand-lungsunfähig
wird.
Vielfach sitzen Opposition und Regierung auch in gemeinsamen Booten
(Diäten für Abgeordnete oder gemischte Regierungskoalitionen).
Welche Krähe möchte einer anderen allzusehr im Auge
picken?!?
6. Machiavellistisch werden kleine Gruppen im Staat, die möglichst
über keine eigene Lobby verfügten, gegeneinander ausgespielt;
Hausbesitzer sind in Deutschland noch in der Minderheit. Also
stellt man sich demonstrativ auf die Seite der Mieter. Da ein
eigenbewohntes Heim jedoch zum sozialen Selbstverständnis
nahezu jedes Menschen gehört, schilt man vor allem Besitzer
vermieteter Immobilien - besonders "Mehrfach-Vermieter"
und Besitzer von Ferienwohnungen.
Mit einem Anteil von 8,2 % liegen Selbständige und Freiberufler
sogar noch unter dem Anteil der öffentlich Bediensteten (8,4
%) an der Gesamtbevölkerung. Also geht man diesen an den
Kragen, zahlen sie doch keine Sozialabgaben und verfügen
sie über die größten Vermögen. Daß
diese Bürger auch keine Ansprüche auf staatliche Alters-versorgung
haben, ihre Krankenversicherungsbeiträge und die Absicherung
für den Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsfall gänzlich
aus eigenen Mitteln bestreiten müssen, wird hierbei verschwiegen.
Zunehmenden politischen Erfolg haben auch Avancen an die Gruppen,
die sich - man nennt sie mitfühlsam "sozial schwache
Randgruppen" - in eigener Verantwortungs-losigkeit außerhalb
der Gesellschaft stellen (Rauschgift- und Drogenabhängige,
Alko-holiker und sonstige Sozialaussteiger) sowie die Gruppe derer,
die ohne eigenes Dazutun in die Asozialität bzw. Abhängigkeit
von der Gemeinschaft geraten (Alte, Kranke, Kinderreiche, Behinderte
usw.).
Derjenige Politiker galt und gilt als geschickt (und damit als
parteiinterner "Kronprinz"), der sich am lautstärksten
und "sensibelsten" der vakanten Wählerklien-tel
zu nähern versteht. Diesen Politikern - z.B. den Herren Lafontaine
und Lambsdorff, Gauweiler und Rexrodt u.v.m. - überträgt
man, unbeachtlich ihrer Motive und fachlicher Inkompetenz, hohe
Parteiämter und politische Verantwortung, wobei man ihnen
allzu menschliche Ausrutscher, Geldgier und Rotlicht-Affairen
gene-rös nachsieht, solange sie die öffentliche Schamgrenze
nicht allzusehr überstrapazie-ren. Und die liegt bei den
Deutschen sehr hoch.
Große Unternehmen - vergessen Sie die Lächerlichkeit
des sog. "Kartellgesetzes" - bauten jahrzehntelang beamtenähnliche
Strukturen auf - in der festen Gewißheit, daß in Notfällen
der Staat einspringen und zusätzliche Subventionen gewähren
würde, da ansonsten zuviele Arbeitsplätze/Wähler
in Harnisch geraten könnten. Es sind auch die Großkonzerne,
die seit jeher das Gros der Fördermittel und Subventionen
(Bergbau und Werften, Stahl- und internationale Handelsriesen)
abgegriffen haben. Kleine und Mittelstandsbetriebe haben weder
die "Verbindungen" zu den Verwaltern der "Fleischtöpfe"
noch die Logistik, um den Papierkrieg und den "Marsch durch
die Verwaltung" bezahlen zu können.
7. Erst nachdem langsam jedem klar wurde, daß der Staat
gezwungenermaßen seine Förder- und Subventionsmittel
zurückfahren mußte und die Lohnnebenkosten höher
waren, als dies bilanztechnisch [Einnahmen plus Abschreibungen
und Fördermittel minus Lohn- und -Nebenkosten ließen
nach Steuern keinen ausschüttbaren
(Dividenden-) Gewinn mehr übrig], erschallte der Ruf vom
"lean management" - im Klartext: Abbau von Manpower
zu Gunsten Technik, Maschinen, Computer und Robotern. Da Klein-
und Mittelbetriebe selten "leaner" werden konnten als
sie ohne-hin schon waren, profitierten von dieser "Schlankheitskur"
ausnahmslos Großbetriebe und Konzerne, während sich
für Klein- und Mittelbetriebe die Situation nur weiter zuspitzte,
was zu jährlich immer neuen Rekorden an Konkursen und Geschäftsaufga-ben
führte.
In öffentlich-rechtlichen Betrieben, Behörden, Ämtern,
Ministerien und pseudo-priva-tisierten Staatsunternehmen wurde
von "lean-management" ohnehin nur gefaselt, gesprochen,
versprochen und - unterlassen.
8. Nur wenige mittlere Betriebe, dafür umso mehr Großkonzerne
verlagerten Produkti-ons- und Fertigungskapazitäten ins steuer-
und lohnbilligere Ausland (die EWWU macht's möglich), was
nunmehr nahezu allen Großkonzernen erlaubt, für 1995
Rekorddividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Die
Bundesrepublik hingegen sitzt auf einem Rekordniveau an Arbeitslosen
- Tendenz steigend! Inkl. aller in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
und Vorruhestand, Frühpension und Umschulungs-maßnahmen
befindlicher Bürger sowie der geschätzt 400.000 resignierten
(aber zumeist arbeitswilligen) Arbeitsfähigen stehen wir
mittlerweile bei über 7 Millionen, was einer Quote von über
20 % der potentiellen Arbeits-Bevölkerung entspricht.
Wenn Politiker darauf verweisen, daß in anderen Ländern
(Europas) die Arbeitslosen-quote wesentlich höher liegt als
bei uns, stellt dies eine perverse Verdrehung der Tat-sachen dar;
Länder wie Spanien, Portugal, Türkei und Griechenland
können sich eben keine vergleichbaren sozialen Auffangnetze
leisten.
9. Aufgeschreckten Hühnern gleich streuen Politiker, Gewerkschaftsführer,
EU-KommissarInnen, ja sogar "göttlich"-inspirierte
Himmelskomiker "Vorschläge" - ganz Unverfrorene
gar Forderungen - unter das Volk und in die Medienwelt; Mehrwert-steuer
rauf/runter, Soli-Zuschlag rauf/runter/weg, Öko-/ Maschinensteuer
ja/nein. Es darf lustig drauflos geplaudert werden.
Spätestens an diesem Punkt der uns von den Politikern, Parteien
und Gewerkschaften bescherten sozial- und wirtschaftspolitischen
"Wahnsinnsspirale" müßte jedem Zeit-genossen
klar sein:
So
kann es keinesfalls mehr weitergehen und
der vielgepriesene bundesdeutsche
Sozial- und Wohlfahrtsstaat Bundesrepublik ist am Ende!
Sämtliche Versuche von "links" oder "rechts",
durch Einzelmaßnahmen zu retten, was zu retten ist, sind
höchst gefährliche Flickschusterei und üble Formen
politischer Korruption 1).
Bitte glauben Sie mir: Die (offiziell von uns gewählten)
Statthalter wirtschafts-, sozial-, steuer-, rechts- und finanzpolitischer
Macht in diesem Lande sind in drei Gruppen einzu-teilen: Jeweils
etwa 49,9 % sind machtgeil und verantwortungslos, unwissende und
naive Mitläufer ihrer Partei (wofür sie mit opportunen
Pöstchen und Einkommen, Abfindun-gen, Übergangsgeldern
und Pensionsansprüchen belohnt werden, die sie in der freien
Wirtschaft nie erzielen könnten). Der spärlich verbleibende
Rest kann sich - egal, in welcher Partei - trotz eines hohen Maßes
an Verantwortungsbewußtsein nicht durch-setzen.
Gibt es denn überhaupt eine Alternative?
Natürlich - noch! Nur wäre dafür tatsächlich
eine völlige "Reform an Haupt und Gliedern" notwendig.
Da dies eines elementaren Lernprozesses bei allen, heute auf Gedeih
und Verderb an den verschiedenen Zipfeln der Macht klammernden Personen
und Institutionen bedürfte, das Gros der heutigen "Strippenzieher"
eine derartige Reform politisch niemals überleben würde
und in der gesamten Bevölkerung ein Umdenken notwendig wäre
- freiwillig, ohne von den Umständen dazu gezwungen zu sein
-, gehört schon viel Optimismus dazu, an diese theoretische
Möglichkeit der Abwendung eines ansonsten drohenden sozial-,
wirtschafts- und finanzpolitischen Katastrophenszenarios zu glauben.
Der sicherlich erste Schritt wäre der, daß die Bevölkerung
den Ernst der Situation erkennt und sich nicht von der allseits
beliebtesten Form politischer Korruption fangen läßt,
die darin besteht, daß man alle Warner und Rufer in der Wüste
als "Schwarzseher" brandmarkt und desavouiert.
Der zweite notwendige Schritt bestünde darin, daß sich
auch Wissenschaftler, Gutachter und sonstige, um die Situation Wissende
nicht mehr zu Bütteln und Handlangern des Systems degradieren
lassen, sondern sich, davon gibt es auch bereits etliche, ihrer
Verantwortung entsprechend, artikulieren, ohne um ihre Pöstchen
und Verbindungen zu fürchten.
Schlössen sich die wirklichen Fachleute zu einer konzertierten
Aktion von politisch Verantwortungsbewußten zusammen, bräche
das ganze verfilzte und verkrebste Mach-werk politischer Korruption
binnen kurzem auseinander. Tausende von Politikern (und ihrer devoten
Wasserträger), Gewerkschaftsführern und Bossen halbstaatlicher
und pseudo-privatwirtschaftlicher Staatsbetriebe würden wegen
Betrugs, Vorteilsnahme im Amt, Steuerhinterziehung, Beihilfe und
Anstiftung zu strafbaren Handlungen, Strafverei-telung und etlicher
anderer Delikte in die Gefängnisse wandern, manche auch nur
wegen schreiender Dummheit oder Unzurechnungsfähigkeit aus
dem Amt gehievt.
Mit dem spärlichen Rest aufrechter und verantwortungsbewußter
Politiker wären dann die - zweifellos vorhandenen - Alternativen
zu bewerkstelligen - unter klarer Direktion kompetenter Fachleute
2).
So böten viele Denkansätze renommierter Fachleute und
Institutionen ein erhebliches Potential, die durchaus in der Lage
wären, dringend Notwendiges mit real Machbarem zu verquicken.
Pars pro toto seien erwähnt: Die Professoren Ralf Dahrendorf
und Kurt Biedenkopf, Dr. Lothar Späth, Gunnar Uldall (MdB),
Dr.Jürgen Borchert (Sozialrichter), das Frankfurter Institut,
"Der 3. Weg" und viele mehr.
Nicht unerwähnt mag hier auch das bereits 1978 (!) gefertigte
"Plädoyer für ein neues Steuer- und Wirtschaftskonzept
in der Bundesrepublik Deutschland" des "Deutschen Bundesverbandes
für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik (DBSFS) e.V." bleiben.
Interessant: Bereits 1979 stellten wir dieses Konzept auch der "Rostankowsky"-Gruppe
zur Verfügung, die sich bereits seit Mitte der 70er Jahre in
den USA mit der Idee eines völlig neuen Steuersystems zur Grundlage
einer faireren und wirtschaftsförderlicheren Besteuerung befaßte.
Zwar stolperte der Republikaner Rostankowsky über eine partei-interne
Affäre, und in beiden Häusern des Congresses verfügten
die Demokraten über die Mehrheit, so daß die Idee der
"consumption tax" auf Eis gelegt wurde, aber auch die
USA sowie praktisch alle Industrieländer kommen überhaupt
nicht mehr daran vorbei, ebenfalls ihr gesamtes Steuer-/ Sozialabgaben-
und Wirtschaftssystem auf den Prüfstand zu stellen.
Just in jüngster Zeit - die Republikaner haben mittlerweile
die Mehrheit in beiden Häusern - wird genau das von uns vorgeschlagene
Steuer- und Wirtschaftssystem als "Königsweg und reale
Chance" in den USA diskutiert. Bill Archer, Chairman of the
"committee of ways and means", hat dies mittlerweile in
unzähligen Interviews auch in die Medien eingebracht.
Ein Grund für die heutigen Zustände im Bereich Steuern,
Sozialversicherung, Wirt-schaftspolitik, Arbeitslosigkeit und eigentlich
alle sozialen und soziologischen Probleme ist die Tatsache, daß
sich viel zu wenige Mitbürger mit den damit zusammenhängenden,
immer diffiziler werdenden Fragen und Gegebenheiten beschäftigen.
Warum überlassen es die meisten Menschen fachlich "unbelasteten"
Politikern, noto-rischen Einweg-Denkern, Profil-Neurotikern und
populistischen Schreihälsen in Parteien und Gewerkschaften,
gerade die wichtigsten Fragen unserer Zeit zu erörtern und
zu entscheiden? Warum interessieren die Sportnachrichten und schaurige
Katastrophen-berichte mehr, als aktuelle Probleme der Gegenwart
und die damit zusammenhängenden Probleme der Zukunft?
Kaum ein Arbeitnehmer kennt auswendig die Prozentsätze für
seine Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, obwohl diese
Beträge allein inzwischen durchschnitt-lich 40 % seines Bruttoeinkommens
ausmachen - kaschiert durch die Tatsache, daß Arbeitgeber
und Arbeitnehmer sich diese zur Hälfte teilen. Ebensowenig
kennt er die Höhe seines Steuersatzes, obwohl dieser - trotz
aller "Steueränderungsgesetze" - durchschnittlich
bereits 30 % beträgt. Selbst vor Problemen, die mittlerweile
schon in Boulevardzeitungen angeschnitten werden, verschließt
man einfach die Augen.
Die Lohnnebenkosten haben im Schnitt bereits 80 %, in einigen Bereichen
bereits 100 % des "normalen" Lohnes erreicht und Hunderttausende
von Klein- und mittelständischen Betrieben zur Flucht ins Ausland
oder in den Konkurs gezwungen.
Großkonzerne verlagern ihre Produktionsstätten ins steuergünstige
Ausland - nicht, ohne sich in Deutschland aus den Subventionstöpfen
zu bedienen und ihre Verluste in Deutschland zu sozialisieren.
Sagen Sie nicht, Sie hätten keine Zeit, die nachfolgenden
Ausführungen zu lesen! Dafür sind die Fakten, um die es
geht, zu wichtig. Es hat auch keinen Sinn, sich damit zu trösten,
daß die Folgen unseres Vertuschens und Ignorierens dieser
Probleme ja erst folgende Generationen betreffen werden. Alle in
das 21. Jahrhundert hineinlebende Personen werden von diesen Problemen
betroffen sein. Entweder als spätere Renten-bezieher (betroffen
durch die mit absoluter Sicherheit notwendigen Kürzungen) oder
als von sozialen Unruhen und politischen Strukturkämpfen, steigenden
Kriminalitätsraten und einem Verflachen der Bereiche Bildung
und Wissenschaft, Forschung und Entwick-lung Betroffene.
Selbst ehedem eherne Pfeiler unserer Volkswirtschaft - Schwermaschinen-
und Auto-mobil-Industrie, Bauwirtschaft und die Chemie, Stahlbetriebe
und Werften, Elektronik und Feinmechanik sowie das Textilwesen -
sind international längst nicht mehr konkur-renzfähig.
Die Ballung von Konzernen zu bürokratisch verkrusteten Monolithen
nimmt immer mehr überhand - als ob dies die internationale
Konkurrenzfähigkeit sichern könnte. Der Mittelstand dünnt
immer mehr aus, während die Flucht in Nischen das Risiko für
die noch den Mut zur Selbständigkeit wahrenden Mitbürger
zunehmend vergrößert. Banken und andere Geldinstitute
scheuen gerade mit der letztgenannten
Gruppe die Partnerschaft, weil sie den notwendigen Zins aus ihren
Anlagen gar nicht mehr erwirtschaften können, der wiederum
notwendig wäre, um die freien Anlagegelder binden und attraktiv
verzinsen zu können. Dies ist auch der Grund, warum alleine
in den letzten 20 Jahren der Anteil finanzieller "Luftgeschäfte"
- Options- und Terminhandel mit fiktiven Geldern sowie die finanzielle
Derivatewirtschaft - sich mehr als verhundertfacht hat, was einen
gefährlichen, von Insidern längst erkannten und angemahnten
finanzwirt-schaftlichen Sprengstoff in sich birgt.
Der größte Inflationsmotor ist hierbei zweifellos der
Staat - als größter Arbeitgeber und betriebswirtschaftlich
chaotischer Verschwender öffentlicher Mittel. Ein stetig aufgeblähter
Bürokratismus, ins uferlose gestiegene Zahlen von Gesetzen,
Verordnungen und Erlassen. Die "konsequente" Wahrung alter,
längst nicht mehr benötigter Strukturen und Behörden
haben Bund, Länder und Gemeinden zu den unwirtschaftlichsten
Betrie-ben in diesem Lande verkommen lassen. Dazu gehören auch
staatliche Betriebe sowie mehrheitlich unter staatlichem Einfluß
stehende Firmen und die als Sondervermögen des Bundes laufende
Unternehmen.
Fernab jeglichen betriebswirtschaftlichen Denkens wurden hier Subventionen
abgegriffen und Schuldentürme aufgebaut, ohne daß - wider
alle Versprechungen - unrentable Betriebsteile geschlossen und/oder
auch nur in annähernd ausreichendem Maße priva-tisiert
worden wären.
Pars pro toto sei hier die Situation der gesetzlichen Sozialversicherung
angeführt, die mit einem durchschnittlichen Kostensteigerungsfaktor
von 7,33 % (1950 - 1995) die durch-schnittliche Inflationsrate im
gleichen Zeitraum um über 100 % übertraf - bei gleichzeitig
immer weiter absinkenden Rentenquotienten 3).
Hierbei fällt auf, daß selbst die pessimistischste Erwartung
(Tab. IV) bereits nach knapp einem Jahr in negativer Weise übertroffen
wurde - durch die Erhöhung der Pflegever-sicherung zum 1.7.1996.
um 0,7 Prozentpunkte, was de facto einer Steigerungs-(inflations-)rate
von 70 % entspricht. Dies spricht insoweit Bände, als sich
alle Planungen im Hause des Sozialministers zur Pflegeversicherung
bereits nach weniger als zwei Jahren als blanke Makulatur erwiesen
haben.
Die im Spätsommer verabschiedete (voraussehbare) Erhöhung
des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung muß
- so verlautbarte der Sozialminister im Dezember 1995 unter Hinweis
auf ein "unerwartetes Defizit von fast 10 Milliarden Mark"
- wohl bereits in 1996 auf 19,5 % angehoben werden. Und auch die
gesetzlichen Krankenversicherungen werden mit den prognostizierten
13,5 % an durchschnittlichem Beitragssatz nicht auskommen; erwarten
dürfen wir - mutmaßlich bereits im Januar - bundesdurch-schnittlich
14 % (in notleidenden Gebieten werden wohl die 20 % erstmals überschrit-ten).
"Völlig überraschend" hat sich binnen vier Monaten
ein Defizit von "mindestens 3,5 - 4 Milliarden" (O-Ton
Sozialminister) aufgetan, das nun "irgendwie" gestopft
werden muß.
Aber auch in allen anderen Belangen - und dies ist beileibe keine
billige Polemik - erweist sich die öffentliche Hand als geradezu
unverantwortlicher Verschwender unser Aller Steuergelder - rücksichtslos
in ihrem arrogant-hoheitlichen Machtgebaren und weit davon entfernt,
sich als Dienstleister im öffentlich-rechtlichen Sinne selbst
zu begreifen und den sie finanzierenden Bürgern gegenüber
zu verhalten.
Da es den jeweils mit eigenen Kostenstellen ausgestatteten Teilbehörden
- Fluch der kameralistischen Buchführung - ausschließlich
darum geht, im nächsten Jahr keine Reduzierung der ihnen zugeteilten
Etats hinnehmen zu müssen, werden - fernab jeder Sparsamkeit
oder kostenbewußten Denkens und Handelns - Abermillionen in
völlig sinn- und nutzloser Weise ausgegeben und damit ein fiktiver
Bedarfsnachweis geliefert, der die nächstjährigen Etats
sichert, Kostenstellen und Posten wahrt (auch wenn diese in keinem
Verhältnis zur tatsächlich benötigten Manpower und
Ausstattung steht). Von Lean-Management haben öffentliche Hände
und Politiker vielleicht irgendwo einmal gelesen, ohne daraus jedoch
irgendeine Relevanz für sich selbst abzuleiten.
Immerhin geht es bei der Schaffung neuer Ministerien und Ministerialstellen
darum, genügend subordiniertes Personal (Arbeitsplätze)
nachzuweisen. Die auf diesem Wege entstandenen Strukturen werden
natürlich auch dann nicht abgebaut, wenn die davon betroffenen
Stellen durch Rationalisierung und technologische Weiterentwicklung
eigentlich sinnhinfällig oder gar als ministeriale Teilbereiche
aufgelöst werden.
So hätten durch die Auflösung des Innerdeutschen Ministeriums
mehrere Hundert Arbeitsplätze gestrichen werden können/müssen.
Dies wurde jedoch dadurch umgangen, daß öffentlich Bedienstete
z.B. in "Koordinierungsstellen" anderer Ministerien versetzt
oder zur Treuhandgesellschaft abkommandiert wurden, um dort die
Privatisierung von Unternehmen oder die Übertragung von Grundstücken
zu begleiten - ohne daß sie davon auch nur die mindeste Ahnung
hatten.
Kurzum: Im Bereich der öffentlichen Hände und der von
diesen gehaltenen Unternehmen vermuten Fachleute ein jährliches
(potentielles) Sparvolumen von ca. 25-30 Milliarden Mark. Andere
Schätzungen sprechen von mehr als 40 Milliarden - was den gesamten
staatlichen Aufwendungen für Vermögensbildung und Wohnen
entspricht.
Nun könnte man einwenden, daß dies nur etwa 3,5 - 4
% des gesamten Sozialbudgets der Bundesrepublik Deutschland oder
nur rund 1,5 % der gesamten Wirtschaftsleistung (des Bruttoinlandsprodukts)
Deutschlands entspricht. Diese Ansicht ist jedoch insofern höchst
gefährlich, als die Steigerungsraten in diesem Bereich atemberaubend
sind (durchschnittlich 6,2 bis 6,4 %), wir uns diese Verschwendung
in der heutigen Zeit in keinem Falle leisten können und diese
Summen auch nur einen Teil der Gesamt-Verschwendung des Staates
darstellen.
Das am wenigsten bemerkbare Phänomen wird jedoch dann ersichtlich,
wenn man die damit entstehenden Folgelasten bedenkt - dadurch aufgebaute
Pensionen für Beamte und Zusatz-Versorgungsansprüche für
Angestellte im öffentlichen Dienst, für die ja bekanntlich
keine "Spartöpfe" gebildet werden, sondern deren
Begleichung grundsätzlich aus den laufenden Einnahmen (Steueraufkommen)
Jahr für Jahr bestritten werden, da Beamte nach wie vor keine
Sozialabgaben entrichten.
Betriebswirtschaftlich gesehen wären 13 der 15 Bundesländer
eigentlich bereits heute ein Fall für den Konkursrichter. Man
stelle sich vor, daß die jeweilig verantwortliche Landesregierung
wegen Konkursverschleppung angeklagt würde ...
Gleich als Buchtips:
Werner Raith: "Die Republik der Scheinheiligen oder: Wieviel
Korruption braucht die Demokratie", Knesebeck-Verlag
Hans-Wolff Graf: "Korruption
- die Entschlüsselung eines universellen Phänomens",
FOUQUÉ, 2000
Genau das ist auch die Forderung des am 1.4.1995
gegründeten "Liberales Forum Deutschland (LFD)".
Darunter versteht man den monatlichen Rentenertrag
aus jeweils DM 1.000 eingezahlten Beiträgen. Diese sanken von
1950 (damaliger Rentenquotient: ca. DM 11,-) auf heute DM 4,30.
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