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Es gibt keine Einzelprobleme mehr
Mehr und mehr macht sich unter Wissenschaftlern und Forschern sowie
in Bildung und Lehre die Einsicht breit, daß die Probleme
unserer Zeit nicht mehr auf dem Wege immer spezifischeren Forschens
und Ausbildens oder singulär zu lösen sind, wenn gleichzeitig
der Blick für geistige und faktische "Nachbarschaften"
verstellt ist.
Egal, um welche Einzeldisziplin es geht - Physik oder Chemie, Mathematik
oder Tech-nik, Medizin oder Biologie, Sozialwesen oder Wirtschaft
-: Alle diese und weitere Gebiete sind geprägt von inneren
Zusammenhängen und können nicht mehr singulär-kausal
betrachtet werden. Ein holistisches, d.h. ganzheitliches Denken
ist gefragt.
Ebenso dämmert immer mehr Menschen die Erkenntnis, daß
wir nur allzuoft Ursache und Wirkung in höchst fahrlässiger
Weise verwechseln. So "therapieren" Psychologen und Ärzte
an den Auswirkungen (Krankheitszuständen) herum, vielfach,
ohne deren Ursachen zu kennen - zumeist psychologische Probleme
und "Altlasten" aus Kindheit, Jugend und Erziehung. Auch
hier wäre dringend eine mehr ganzheitliche Betrachtung des
jeweiligen Patienten und seiner Entwicklung wie seines jeweiligen
Umfeldes von-nöten, um kausal-relevant und nicht vornehmlich
medikamentös oder operativ tätig zu werden.
Leider gibt es aber auch "spezielle Berufsgruppen",
denen diese Gedanken noch völlig fremd sind - Politiker, Partei-
und Gewerkschaftsfunktionäre u. dergl.. Der (im Grunde genommen
grundgesetzwidrige) "Fraktionszwang" sowie höchst
populistische Motive und allzuoft fachliche Inkompetenz lassen eben
diese "demokratischen" Vertreter des Volkes (oder seiner
Teilmengen) vor eigentlich gebotenen Notwendigkeiten Herz, Hirn
und Augen verschließen. Die nächsten Wahlen im Blick
und den nächsten Parteitag im Visier, ist ihnen jedes Mittel
recht, welches dem Erhalt oder der Ausweitung ihrer Macht dienlich
erscheint.
An den jeweiligen Epigonen der Parteien scheitern früher oder
später selbst jene Politiker, die sich - noch weniger korrumpiert
- tatsächlich für die Belange der Bevölkerung einsetzen
4).
Völlig daneben läge jedoch derjenige, der nun alleine
den Politikern, Verbandsfunktionä-ren und Gewerkschaftlern
einen Vorwurf machen möchte; wir alle - die Wähler - tragen
Schuld daran, wenn wir inkompetenten und machthungrigen Zeitgenossen
das Denken und Handeln überlassen - um ihnen dann vorzuwerfen,
wozu wir sie zuvor legitimiert haben. Wir brauchen uns dann nicht
zu wundern, wenn in deren Denken z.B. Wirtschafts-, Finanz-, Steuer-
und Sozialpolitik singulär verwaltet werden, ohne daß
deren unmittelbare Zusammenhänge begriffen und als Teilbausteine
des gesamten Staatswesens verquickt werden. Wir dürfen von
ihnen nicht Antworten auf Fragen erwarten, die wir zu bequem sind
zu stellen.
Wenn die heute im Erwerbsleben stehenden Bürger nicht interessiert,
wer die bereits aufgetürmten Schuldenberge abtragen und die
enormen Belastungen für die gesetzliche Sozialversicherung
für die kommenden Generationen erträglich gestalten soll,
dürfen wir von den von uns gewählten Volksvertretern auch
kein Verantwortungsgefühl für diese Zusammenhänge
und keine Einsicht in die daraus erwachsenden "Spätfolgen"
erwarten.
Die bereits heute am Horizont sichtbaren oder gar schon deutlich
spürbaren Zukunftsprobleme - weiter steigende Arbeitslosenzahlen,
der fortschreitende Abbau von "Humankapital", wachsende
Kriminalitätsraten und die zunehmende Polarisierung verschiedener
Bevölkerungsgruppen, eine wachsende Armut und die damit verbundene
weitere Destabilisierung des gesamten Sozialwesens, ein ausufernder
Bürokratismus und nicht mehr bezahlbare Soziallasten sowie
zunehmende Energie- und Umweltbelastungen - erlauben keine "Vogel-Strauß-"Politik
mehr.
So erfreulich es ist, daß in der heutigen Jugend ein deutliches
Umschwenken und Umdenken zu erkennen ist - eine Art "Renaissance"
der Leistungsbereitschaft -, so wichtig ist es, gerade diese Jugend
auf eine sichere Basis für das Morgen zu stellen und nicht
mit den Auswirkungen vorheriger Identifikationskrisen und politischer
Bequemlichkeit zu befrachten.
Diese Liste von Verquickungen ließe sich noch beliebig fortsetzen.
Wir wollen uns im folgenden jedoch darauf beschränken, mit
Hilfe eines radikal neuen Denkansatzes für die Steuer- und
Wirtschaftspolitik eine Basis zu schaffen, mittels derer insofern
auch neue Lösungswege in vielen anderen Bereichen - Sozialpolitik
und Technik, Umwelt- und Entwicklungspolitik - gefunden werden können,
als das dafür notwendige Engagement geweckt und die dafür
benötigten Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden
können.
Nur eine völlige Abkehr vom bisherigen
Irrweg bundesdeutscher Steuer- und Wirtschaftspolitik bietet eine
Chance, mit den Fehlern der Vergangenheit aufzuräumen und uns
wie auch folgenden Generationen eine Chance zur Lösung bereits
heute spürbarer Probleme zu entwickeln.
siehe "Kooperation versus Korruption",
Kapitel 23 der "Spielwiesen". Korruption in der Politik,
FOUQUÉ, 2000
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