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2. Das bundesdeutsche Parteiensystem

Während in den ersten beiden Bundestagen Arbeiter und Angestellte, Selbständige und Beamte noch in relativem Proporz zur Gesamtbevölkerung vertreten waren, ballte sich bereits ab Mitte der 50er Jahre die Macht in den Parteien und Parlamenten zunehmend im Kreise der Beamtenschaft. Dies ist darauf zurückzuführen, daß es für keinen anderen Berufsstand - weltweit ein einzigartiges System - eine "Beschäftigungs- und Wiedereingliederungsgarantie" ins Berufsleben gibt (was es in der freien Wirtschaft natürlich nie geben konnte).
Während also "normale" Arbeitnehmer wie auch Selbständige nur mit einem hohen persönlichen Risiko wagen konnten, eine politische Karriere (z.B. als Politiker) einzugehen, stellte sich diese Frage für Beamte - und hier besonders für Lehrer - überhaupt nicht. Ihnen wurde für den Fall des nicht-wiedergewählt-Werdens der Arbeitsplatz (inkl. zwischenzeitlicher Beförderungen) gesetzlich garantiert. Die Zugehörigkeit zur größten "Firma" Deutschlands - dem öffentlichen Dienst - stellte gleichzeitig auch die Mitgliedschaft in der größten Lobby dieses Landes sicher. Die damit gebotene risikoarme Politiker-Karriere führte dazu, daß nicht persönliche Fachkompetenz und Integrität den "Grundstoff" der Parlamentarier auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene darstellte, sondern ein unheilvolles Geflecht von persönlichen Machtinteressen, egomaner "Selbstverwirklichung" und verantwor-tungslosem Dilettantismus. Nur ein Beispiel: Die letzten vier bundesdeutschen Wirt-schaftsminister hatten allesamt keine Ausbildung im Bereich der Wirtschaft und nachweislich so gut wie keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das Wirtschaftsministerium wurde in der seit 1982 regierenden Koalition auf den Juniorpartner FDP "traditionalisiert".
Egal, welche Partei jeweils die Regierung oder die Opposition darstellte - die entsprechenden Posten wurden parteiintern verschoben und es galt eigentlich nur, den potentiellen Wähler fachlich desinformiert zu halten und mit plakativen Versatzstücken an die Urnen zu locken. Kompetenz und eine dementsprechend zukunftsweisende Weitsicht und Verantwortung zählten nur selten. Gefragt war parteikonforme Windschlüpfrigkeit und parteiopportunes Verhalten nach innen bzw. ein entsprechendes Auftreten gegenüber dem Wähler.
Wirklich kompetente Minister und Parteistrategen vom Schlage eines Ludwig Erhard, Karl Schiller und Helmut Schmidt, Ralf Dahrendorf und Kurt Biedenkopf waren die Ausnahmen. Zumeist versagten diese sich parteiinterner Korruptabilität und machten sich damit als "Störer" unbeliebt. Entsprechend kurz waren ihre Karrieren an den Schaltzentralen politischer Macht. Gefragt waren parteikonforme Machtmenschen und populistische "Marktschreier", die als opportunistische Systemmanager eigene und Partei-Interessen trefflich zu verquicken verstanden und dem politisch immer mehr desinteressierten Bürger als Epigonen im vierjährigen Turnus plakativ vor die Nase gesetzt werden konnten.

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