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3. Aushöhlung der Staatsfinanzen
Der Volksmund merkt an: "Mit vollen Hosen ist gut stinken";
wie wahr: Der stürmi-sche Aufschwung bescherte Deutschland
und seinen Bürgern einen nie zuvor gekannten Reichtum, an dem
alle teilnehmen wollten. Nur allzuleicht ließen sich Gewerkschaften
und Lobbys, Bauwillige und Unternehmensgründer, Rentner und
Kinderreiche, Studenten und Minder- wie Höchstverdiener jeweils
beschenken und verwöhnen. Die auch im reichen Deutschland stets
existierende Gruppe von Armen und wirklich Bedürftigen war
zahlenmäßig zu gering und ohne Lobby, so daß sie
sich politisch nie artikulieren konnte. Umso reichlicher bedienten
sich Beamte und öffentlich Bedienstete, vor allem jedoch die
Parlamentarier selbst, aus den prall gefüllten Kassen. Die
munter sprudelnden Steuerquellen ließen den "Beamtenmoloch"
in einem international konkurrenzlosen Maße anschwellen. Städte
und Gemeinden bauten Sportplätze und Schwimmhallen, Kongreßzentren
und Tagungsstätten - oftmals völlig überdimensioniert.
Hiervon waren jedoch beileibe nicht alle Behörden und Ämter
gleichermaßen betrof-fen; je nach Geschick und Beziehungen
brach in einigen Teilbereichen der öffent-lichen Hand der schiere
Luxus aus, während andere ihre Angestellten und Beamten an
vorsintflutlichen Schreibtischen arbeiten ließen. Die untere
Beamtenschaft blieb auch in ihrer Einkommensentwicklung relativ
moderat. Schon bedeutend hedonisti-scher ging es in den mittleren
und vor allem den oberen Etagen der Beamtenschaft zu, wobei die
Nebenleistungen - die bei Einkommensvergleichen regelmäßig
unter-schlagen werden - die größte Rolle spielten. So
stiegen die Bezüge der Abgeordne-ten seit Mitte der 60er Jahre
um etwa 60 % mehr als das durchschnittliche Einkom-men der deutschen
Industriearbeiter. Noch deutlicher wuchsen jedoch Diäten und
Sonderleistungen (kostenlose Flug- und Bahnreisen - selbstverständlich
erster Klasse - u.v.m.).
Die Rentner hielt man durch die Bruttolohn-bezogene Rente bei der
Stange. Dafür stiegen seit Mitte der 60er Jahre die Beiträge
zur gesetzlichen Sozialversicherung mit einer jährlichen Dynamik
von über 10 %. Aus einer Handvoll von Steuergeset-zen Mitte
der 50er Jahre wurde im Laufe von 25 Jahren eine Flut von Zehntausen-den
von Gesetzen, Verordnungen und Erlassen. Kurz vor dem Ende des 20.
Jahr-hunderts sieht sich der Bundesdeutsche rund 100 verschiedenen
Steuerarten und steuerähnlichen Dauerlasten gegenüber.
Die Gebühren der öffentlichen Hand stiegen seit 1970 um
mehr als das Dreifache des Durchschnittseinkommens und mehr als
das Fünffache des durchschnittlichen Nettolohnes aller Beschäftigten.
Bereits Mitte der 70er Jahre errechnete und veröffentlichte
der "Deutsche Bundes-verband für Steuer-, Finanz- und
Sozialpolitik (DBSFS) e.V." ein "Szenario der bundesdeutschen
Sozialversicherung".
Die damaligen Voraussagen - selbst die pessimistischsten - wurden
allesamt längst überboten.
Zum Ende 1994 erstellte der DBSFS anhand der neuesten Zahlen wiederum
eine Prognose und für die Zukunft vier verschiedene Szenarien
unter verschieden opti-mistischer oder pessimistischer Annahme der
Entwicklung für die nächsten 35 Jahre.
Aus der beiliegenden Tabelle I. ersehen Sie den günstigsten
Fall, wenn sofort gehandelt wird, der bereits ein Jahr später
nur noch wehmütig belächelt werden darf.
Aber selbst Tabl. IV - der schlimmste Fall, wenn nichts geschieht
- ist bereits zum Wunschtraum verkommen.
Wir steuern - von redlichen Fachleuten unbestritten - in eine sozialpolitische
Kata-strophe ungeahnten Ausmaßes.

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